Die Weihnachtsbäume der guten Tat

Hexenküche


Ich traue meinen Augen nicht: Freund Schlossgespenst, Sie wissen ja, das kleine weiße Laken aus dem Idsteiner Schloss, entstaubt vor meinen großen Augen einen Kunststoff-Weihnachtsbaum Made in Asien! „Ho, ho, ho! Schau mal Hexe, wie schön der noch ist. Alles ganz frisch - und die Sterne sind auch noch dran!" Ich glaube es ja nicht. Das Laken schwebt jubilierend um den Kunststoff-Trümmer herum und wedelt Staub von den immergrünen Ästen, dass es nur so wirbelt von Schmutzpartikeln in der Luft. „Den Mist willst Du Dir ins Schloss stellen und darum herumspuken? Da habe ich aber eine viel bessere Idee!" Freund Schlossgeist schaut mich fragend an.

„Na, in Kröftel gibt es doch bald wieder frische Weihnachtsbäume zum Selbersägen - und die Käufer tun damit auch noch ein gutes Werk, weil ein Großteil der Kaufsumme einem sozialen Zweck zufließt!" Die gute Seele dieses Weihnachtsbaumverkaufs der guten Tat ist der Architekt Norbert Schwarz.

Der Mann hat vor Jahren eine ganze Schonung mit Tannenbäumen geerbt und verkauft die Bäume an zwei Samstagen oberhalb seines Heimatdorfes. Bisher hat Norbert Schwarz mit den Verkaufserlösen Bärenherz, Kirche, Feuerwehr, SOS-Kinderdörfer, Misereor und andere soziale Einrichtungen unterstützt.

Und so nebenbei sorgt er dafür, dass das Baumschlagen in seiner Schonung zum echten Familienausflug wird. Denn, wenn Mama und Papa stundenlang diskutieren, welche Edeltanne, Nordmanntanne, Rot-und Blaufichte denn nun im weihnachtlich geschmückten Wohnzimmer stehen soll, dann hilft es schon, dass an einem kleinen Büdchen zur Stärkung Glühwein, heißer Kinderpunsch und andere schmackhafte Angebote zu haben sind. Von solch einem Familienerlebnis haben am Ende alle etwas - und Norbert Schwarz wieder Bares für Investitionen in soziale Projekte, die wiederum uns allen zu Gute kommen.

„Hexe, dieser Mann hätte ja eine hexenmässige Auszeichnung verdient, denn seine soziale Idee ist Spitze", ist Freund Schlossgeist schnell von einem Besuch in der Kröfteler Schonung überzeugt. Achtlos wirft der kleine Schelm den dreckigen Kunststoffweihnachtsbaum von 1961 in die Ecke des Rittersaales zurück.

Ja, der Norbert Schwarz ist einer der vielen bescheidenen Helfer im Hintergrund, die still und leise ihren immens wichtigen Beitrag dazu leisten, dass unsere immer kälter werdende Gesellschaft nicht gleich in der Eiszeit endet. Er hängt seine Aktion nicht gerne an der eigenen Person auf, sieht sich lieber im Hintergrund.

Aber ich als Zeitungshexe lobe Norbert Schwarz ausdrücklich für sein jahreslanges Tun vor Weihnachten: Dieser Mann ist ein Vorbild für uns, äh Euch, Menschen! Weiter so, Norbert! „Und wo und wann können wir uns denn nun unseren Baum holen, Hexe?" Das weiße Laken flattert aufgeregt um mich herum. Die Schonung von Norbert Schwarz liegt oberhalb des Idsteiner Dorfes Kröftel. Besucher müssen nur der Beschilderung in Richtung Waldweg nach Schlossborn folgen, einen Berg hinauffahren und werden wenig später viele Menschen sehen, die Bäume in oder auf Autos verstauen. Geschlagen werden können die Bäume am Sonntag, 11. Dezember, und Sonntag, 18. Dezember, in der Zeit zwischen zehn und 16 Uhr.

Einer der fleißigen und netten Herren, die nach dem Baumfällen beim Einnetzen deselben helfen und strahlend „Frohe Weihnachten" wünscht, ist ganz sicher Norbert Schwarz. Über ein dickes Lob für sein unbezahlbares Engagement freut er sich bestimmt - trotz seiner Bescheidenheit.

Bis zur nächsten Hexenküche

 


Bericht der Idsteiner Zeitung vom 03.12.2011

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