Anti-Aging in Kröftel
VOR ORT Die neue Ortsvorsteherin Barbara Koehler-Schallwig setzt auf Miteinander und Beharrlichkeit
Schlüsselerlebnis: Die neue Ortsvorsteherin Barbara Koehler-Schallwig bekommt von ihrem Vorgänger Jürgen Beranek die Schlüssel für das Dorfgemeinschaftshaus überreicht. Foto: wita / Martin Fromm
„Kröftel, das ist da, wo in Idstein die Sonne aufgeht“, lacht Barbara Koehler-Schallwig, die in dem östlichsten Stadtteil der Hexenturmstadt nicht nur zu Hause ist, sondern hier auch nach der Kommunalwahl dem Ortsbeirat vorsteht. Sie hat das Amt von Jürgen Beranek übernommen, der 26 Jahre Ortsvorsteher war und aus über zweieinhalb Jahrzehnten viel aus dem Nähkästchen zu erzählen weiß. Dass sein Wissen, seine Erfahrungen für die Nachfolgerin jederzeit abrufbar sind - für ihn ist das Ehrensache.
Er selbst ist 1985 mit vier Mitstreitern ins kalte Wasser geworfen worden, als der alte Ortsbeirat komplett das Handtuch warf. Der Kröfteler hat viele Jahre in Frankfurt gewohnt und gearbeitet, ist 1984 zurück in seine Heimat und stand ein Jahr später an der Spitze des Gremiums. Jetzt genießt der Lehrer seine Altersteilzeit - auch in der Idsteiner Stadtverordnetenversammlung.
Barbara Koehler-Schallwig freut sich auf die schönen Seiten in ihrem Amt: „Hier gibt es ein tolle Gemeinschaft, die muss man einfach fördern“, erzählt sie von vielen Freiwilligen, die Tag und Nacht bereit seien, eine gute Idee zu unterstützen. Auch das Miteinander der Generationen funktioniere bis auf ein paar kleine Querelen hervorragend. Wer miterlebt, wie sich gerade die Älteren mit großem Einsatz engagieren, könnte meinen, auf ein geheimes Anti-Aging Rezept à la Kröftel gestoßen zu sein. „Dieser Einsatz mit 80 und älter - das ist phänomenal.“
Aber auch in Kröftel besteht nicht alles aus dem sprichwörtlichen Friede, Freude, Eierkuchen. Auf der „ewigen Wunschliste“ des Ortsbeirats steht die Situation an der Bushaltestelle in der Oberemser Straße. „Hier sind wir für alle Vorschläge offen“, hofft Barbara Koehler-Schallwig mit Schildern, Bordstein-Erhöhungen oder Markierungen die Situation etwas entschärfen zu können. Viele Kinder warten mehr oder weniger diszipliniert regelmäßig an diesem gefährlichen Platz direkt an der Durchgangsstraße.
Entschärfen würden die Kröfteler auch gerne die Ortseinfahrt aus Richtung B 8 kommend. „Ein Geschwindigkeitstrichter wäre ideal“, sagt die neue Ortsvorsteherin. Ein ganz anderes Straßenproblem befindet sich an der Ortsausfahrt Richtung Heftrich. Dort gibt es keinen ordentlichen Randstreifen, das sogenannte Bankett fehlt. Das scheint im Zuge der Straßenerneuerung schlichtweg vergessen worden zu sein. „Da werden wir wohl weiter die zuständigen Stellen nerven müssen“, setzt Barbara Koehler-Schallwig auf Beharrlichkeit.
Bürger zeigen jede Menge Einsatz
Kröftel hat etwa 500 Einwohner, viele sind in Vereinen organisiert: im Männergesangverein, der bald 150 Jahre alt wird, in der Feuerwehr, die ihre 75-Jahre-Feier schon hinter sich hat, im Heimatverein, deren langjährige Vorsitzende die Ortsvorsteherin war, im Sportverein, im noch recht neuen Fasching- und Kerbeverein „Die Dolle“, aber auch in der Theatergruppe und im Seniorenclub Kröftel/Nieder-Oberrod wird sich amüsiert, wie überhaupt das Verhältnis zu den Nachbarn Nieder-/Oberrod ein besonders gutes sei.
Das Dorfgemeinschaftshaus, in dem es auch einen Jugendraum gibt, ist bei so viel gesellschaftlichem Miteinander ein unverzichtbarer und beliebter Treffpunkt. Im Laufe der Jahre ist es immer wieder gewachsen, wurde den Bedürfnissen angepasst und um das Feuerwehrgerätehaus erweitert. Auch hier waren die Kröfteler nie untätig. Jürgen Beranek hat es aus dem Jahr 1991 noch schriftlich: „3700 freiwillige Arbeitsstunden wurden damals geleistet.“ Vor kurzem wurde das DGH komplett renoviert, es fehlt nur noch die neue Heizung, dann wird das gebührend gefeiert.
Froh sind die Kröftler auch über die gute Anbindung mit dem ÖPNV zum Bahnhof Idstein beziehungsweise Königsstein. „Wir hoffen, dass das auch auf lange Sicht gut angenommen wird“, sagen Beranek und Koehler-Schallwig unisono.
Zukunft hat in ihren Augen nicht zuletzt das Einheimischen-Modell, das für Kröftel 19 Bauplätze vorsieht. Dann würden bald noch mehr in Idstein die Sonne aufgehen sehen.
Bericht der Idsteiner Zeitung vom 31.05.2011
Startseite